Startseite

„Ja.“

So lautete die Antwort meiner Mutter auf meine Frage, ob sie sich darüber im Klaren sei, dass sie mich nicht wiedersehen würde.

Ich hätte damit rechnen müssen. Schon mein Vater hatte etwa zwei Jahre zuvor jeglichen Kontakt zu mir abgebrochen. Aber ihre Antwort hatte mich trotzdem kalt erwischt. Irgendetwas in mir war in diesem Moment kaputtgegangen. Wenn einem Sohn von der eigenen Mutter am Telefon mitgeteilt wird, dass sie in Kauf nimmt, ihn nie wiederzusehen, dann gibt es wohl nichts, was ihn letztlich darauf hätte vorbereiten können.

Wie bringt man eine Mutter, die bereits einen Sohn verloren hat, dazu, ihr anderes Kind aufzugeben? Was muss man ihr sagen, damit sie den Kontakt zum Sohn abbricht und dann auch noch fest davon überzeugt ist, dass dies aus reiner Liebe geschieht, sie keine andere Wahl hat? Wie pflanzt man einer Mutter die Vorstellung ein, sie stünde „zwischen zwei Söhnen“, und müsse den lebenden aufgeben, um nicht auf ewig die Chance zu verspielen, den toten wiederzusehen?

Willkommen in der Welt der Zeugen Jehovas.